Blühender Landkreis Haßberge

Im Juli 2016 wurde von der Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) ein Antrag an den Landkreis Haßberge gestellt, einen Wettbewerb zur Auslobung der bienenfreundlichsten Kommune im Landkreis ins Leben zu rufen. Hintergrund war auf die Gefährdung und Schutzwürdigkeit der heimischen Bienen aufmerksam zu machen und die Lebensbedingungen von Wild- und Honigbienen zu verbessern. Allerdings plädierten die Mitglieder des Umweltausschusses des Landkreises dafür, noch mehr Öffentlichkeitsarbeit für die Bedeutung der Bienen zu betreiben und weitere sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der Bienen umzusetzen. Hierzu wurde ein „Runder Tisch“ ins Leben gerufen (Mitgliederliste siehe Anlage).

 

Das Projekt ‚Blühender Landkreis Haßberge‘ ist Ausfluss aus dem „Runden Tisch“ unter Mitarbeit von Imkern, Landwirten, Obst- und Gartenbauvereinen, Kreisfachberatern, BUND Naturschutz, Naturschützern, Vertretern der Kommunen und des Regionalmanagements.

Der ökologische und wirtschaftliche Nutzen der Bienen ist enorm. Im Landkreis Haßberge gibt es ca. 2.050 Bienenvölker. 90 Prozent der Bestäubungsleistung kommen den Landwirten, Obstbaumbesitzern und Gärtnern zugute. In nur einem Jahr beträgt dieser wirtschaftliche Nutzen im Landkreis rund 3,7 Millionen Euro. Allein bei den Rapsbauern liegt der Mehrertrag bei ca. 1 Million Euro. Bienen und andere blütenbesuchende Insekten leisten eine unverzichtbare Bestäubungsarbeit. Sie erhalten dadurch die Pflanzenvielfalt und sichern unsere Erträge in der Landwirtschaft - und damit unser aller Ernährung.

 

Gefahren für die Bienenpopulation

Honig- und Wildbienen sind jedoch immer mehr gefährdet. Grund ist z. B. das Fehlen eines kontinuierlichen Blütenangebots und der Rückgang von geeigneten Nistplätzen durch die Zerstörung wertvoller Lebensräume. Hinzu kommt der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft, auf öffentlichen und gewerblichen Flächen sowie im Haus- und Kleingartenbereich, außerdem die Gefährdung durch Krankheiten und Parasiten wie die Varroamilbe. 

Naturschutz ist verpflichtende Aufgabe für Staat und Gesellschaft sowie für jeden einzelnen Bürger und jede einzelne Bürgerin (Art. 1 Satz 1 BayNatSchG). Die Wahrnehmung dieser Aufgabe findet ihren Ausdruck im umweltgerechten Verhalten und in der nachhaltigen Bewirtschaftung des Eigentums, insbesondere der Grünflächen. Ein wesentlicher Aspekt des Naturschutzes ist der Artenschutz. Alle einheimischen Bienen- und Hummelarten zählen nach der Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Arten.

 

Der Landkreis Haßberge ist darüber hinaus als öffentlicher Aufgabenträger zuständig für die Festsetzung von Landschaftsschutzgebieten (Art. 51 Abs. 1 Nr. 3 BayNatSchG) und Kernmitglied der Träger der beiden Naturparke, die sich über weite Teile des Landkreises erstrecken. Aufgabe des Naturparks Haßberge ist es u. a. den Charakter der Haßberge zu erhalten und zu pflegen sowie die Tier- und Pflanzenwelt zu schützen (§§ 4 und 10 Naturparkverordnung). Landschaftsschutzgebiete und Naturparke werden rechtsverbindlich festgesetzt, um die Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts sowie die nachhaltige Nutzungsfähigkeit der Naturgüter zu erhalten bzw. wiederherzustellen, wobei dem Schutz von Lebensstätten und Lebensräumen bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten eine besondere Bedeutung zukommt (§§ 26, 27 BNatSchG).

 

Das Projekt sieht eine Schaffung von Lebensräumen für Bienen und Insekten auf öffentlichen Flächen im Landkreises Haßberge vor.  Diesbezüglich sollen zunächst vorhandene Potenzialflächen auf öffentlichen Grund und Boden bestimmt werden. Anschließend werden für die benannten Flächen sinnvolle Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung geplant.

 

Es wird mit Hilfe von insgesamt 3 Workshops eine Qualifikation der Akteure für die Umsetzung von geplanten Maßnahmen durchgeführt. Durch Öffentlichkeitsarbeit wird die Bevölkerung für die Problematik des Rückganges von Insekten sensibilisiert und die Nutzung von landwirtschaftlichen Nutzflächen und privaten Gärten positiv beeinflusst.