Dokumentation "Zeiler Hexenturm"

Zeil am Main bildete im 17. Jahrhundert innerhalb des Hochstifts Bamberg das Zentrum der Hexenverfolgung. Dieser Sachverhalt prägte dauerhaft die eigene Sicht auf die Geschichte und bestimmte dadurch einen Teil der städtischen Identität.

In der historisch interessierten Öffentlichkeit hat das Thema „Hexen" in den letzten Jahrzehnten stark an Gewicht gewonnen, was etwa durch eine laufende große Sonderausstellung in Speyer belegt wird. Eine dauerhafte Dokumentation zur frühneuzeitlichen Hexenverfolgung wird, soweit bekannt, derzeit lediglich in Zeil am Main angestrebt. Die Darstellung eines einschneidenden historischen Ereignisses am örtlichen Beispiel, mit überregionaler Perspektive, wird nach Eröffnung des Informationszentrums für die Region ein Alleinstellungsmerkmal bilden.

Als Ort für das Dokumentationszentrum wird -nach denkmalgerechter Sanierung und Umbau- das Gebäude Obere Torstraße 14 (ehemalige Fronveste) genutzt.

Es gibt hier fünf Dauerausstellungsräume, die die räumliche und zeitliche Verbreitung der Hexenprozesse darstellen und deren Struktur und Ablauf am Beispiel von Zeil konkretisieren. Dem Besucher soll durch Einzelschicksale die Ausweglosigkeit, der in die Mühlen der Justiz geratenen Opfer nachvollziehbar gemacht werden.

Ein multifunktionaler Aktivraum und ein Sonderausstellungsbereich ermöglichen eine Auseinandersetzung mit den Aspekten des Themas „Hexenverfolgung" in weiterer zeitlicher und räumlicher Perspektive. Durch spezielle Stadtführungen werden Besucher zu historischen „Tatorten" in Zeil geleitet.

Der Projektträger möchte mit dem Konzept und den daraus entstehenden Maßnahmen folgende Ziele erreichen:

  • Sensibilisierung für die Besonderheit der regionalen Geschichte in Zusammenhang mit der franken-/deutschlandweiten Bedeutung der Ereignisse
  • Schaffung eines kulturellen Alleinstellungsmerkmals
  • Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für die Besonderheit der eigenen Region durch Bildungsaktivitäten
  • Inwertsetzung alter Bausubstanz an einer städtebaulich sensiblen Stelle
  • Vernetzung sowohl ehrenamtlicher als auch wissenschaftlicher Akteure im kulturellen, touristischen und wirtschaftlichen Bereich, konkret: Etablierung einer Gruppe Ehrenamtlicher für den Betrieb des Informationszentrums und Aktivitäten
  • Schaffung einer attraktiven Ausstellungsstätte
  • Schaffung einer aktiven Kulturvermittlungsstätte für Schulen und sonstige Bildungseinrichtungen
  • Stärkung des Kulturtourismus in der Region, erkennbar an einer Mehrung spezialisierter Stadtführungen
  • Vernetzung mit anderen kulturell ausgerichteten Projekten (Synagoge Memmelsdorf u.a.)
  • Stärkung der sonstigen Sparten des Tourismus durch Vernetzung mit anderen Projekten (Wein- und Radtourismus) und Einrichtungen (Gastronomie, Hotellerie)


Aufbau und Betrieb des Informationszentrums werden begleitet und unterstützt durch den am 3. September 2009 ins Leben gerufenen Betriebsbeirat.
Ihm gehören mehr als 30 Personen aus Zeil und Umgebung an. Unter ihnen sind fachwissenschaftlich vorgebildete Personen, engagierte Heimatforscher und einfach am Thema interessierte Menschen. Sie fördern das Projekt ideell.

Die Stadt Zeil am Main hat sich bereit erklärt, nicht nur die technischen Betriebs- und Instandhaltungskosten zu tragen, sondern auch eine Halbtagsstelle für die Leitung und Betreuung des Informationszentrums und zur Koordination der ehrenamtlichen Aktivitäten geschaffen.

 

Das Dokumentationszentrum wurde im Herbst 2011 eröffnet.