Lehrpfad zur Geschichte des Fränkischen Landjudentums mit der Synagoge Memmelsdorf als Informationsstützpunkt

Die Geschichte des Fränkischen Landjudentums ist eng mit der Geschichte der Schlösser und Burgen in der Region verbunden. In Zeiten, in denen die Juden von Pogromen bedroht aus den Städten vertrieben wurden, fanden sie Zuflucht bei den freien Reichsrittern, die vom Kaiser das Judenschutzregal erworben hatten. Gegen Schutzgebühren – man bezeichnet diese Personen auch als „Schutzjuden“ – wurden sie von den Reichsrittern aufgenommen.

 

Gerade der Landkreis Haßberge war von vielen solchen Rittergütern durchsetzt. Deshalb gibt es im Landkreis 22 Synagogen und 7 jüdische Friedhöfe. Zu einem „richtigen“ Dorf in dieser  Region gehören ein Schloss, eine Kirche und eine Synagoge. Das fränkische Landjudentum ist daher ebenso untrennbar mit der Heimatgeschichte verbunden wie die vielen Schlösser und Burgen. Schutzherren der Juden in Memmelsdorf war zunächst ein Junker von Buttlar und die Herrschaft von Lichtenstein, ab 1702 Lothar von Greiffenclau auf Schloss Gereuth.

 

Diesen Teil der Heimatgeschichte hat der Träger- und Förderverein zum Inhalt seiner Arbeit gemacht und sie Jugend- und Erwachsenengruppen sowie Einzelreisenden erfahrbar gemacht.

Es bietet sich als Ergänzung und Vervollständigung zur bisherigen pädagogischen Arbeit eine Anbindung  der Synagoge an die Thematik des „Deutschen Burgenwinkels“ und den Burgenlehrpfad Themenwanderweg zum fränkischen Landjudentum geradezu an. Dabei könnte die bereits um Memmelsdorf außerhalb der Synagoge bestehenden Informationstafeln eingeschlossen werden.

 

Auf dem geplanten Geschichtslehrpfad liegt das Schloss des Schutzherrn der Memmelsdorfer Juden in Gereuth, der jüdische Friedhof in Untermerzbach, das Schloss Untermerzbach, der sogenannte Judenhof in Untermerzbach, die Synagoge in Memmelsdorf, der jüdische Friedhof Memmelsdorf  und die sogenannten Rückertsteine.

 

Über Schloss Gereuth erfolgt die Anbindung an den Burgenlehrpfad eine Verbindung zwischen dem Landjudentum und dem Dichter Friedrich Rückert, wohnhaft im 18. Jahrhundert in Ebern, in Briefen der Mutter von Rückert, die sich mit der Beauftragung von Juden aus Memmelsdorf mit dem beschaffen von Haushaltswaren befassen.

 

Der Themenweg wird so geführt, dass er eine Verbindung zum Burgenlehrpfad erhält. An den oben genannten Orten werden Informationsstelen errichtet, auf denen die Verbindung der Geschichte des Ortes mit dem fränkischen Landjudentum  erläutert wird. Beim jüdischen Friedhof in Memmelsdorf wird die ursprüngliche Größe – er wurde nach dem zweiten Weltkrieg verkleinert – mit quadratischen Steinsäulen dokumentiert.

 

Im Zuge dieser Maßnahme können die Informationsquellen in der Synagoge Memmelsdorf um  eine Hörstation mit Zeitzeugenberichten erweitert werden. Damit wird neben der Heimatgeschichte vergangener Jahrhunderte auch die Neuzeit in das Erfahrungsfeld der Wanderer gerückt.